Hintergrundwissen: Diabetes (Zuckerkrankheit)

Diabetes ist eine chronische Erkrankung des Stoffwechsels. Neben dem bekannten diabetischen Fußsyndrom und anderen Veränderungen kann Diabetes auch Folgeerkrankungen im Bereich der Augen mit sich bringen.

Wie häufig ist Diabetes?

Diabetes mellitus, die Zuckerkrankheit, ist weltweit auf dem Vormarsch: Allein in Deutschland ist fast jeder Elfte betroffen – rund 7,0 Millionen Menschen leiden hier an Diabetes. Damit zählt die Erkrankung zu den Volkskrankheiten, wie etwa auch Rheuma oder Asthma.

Was passiert bei Diabetes mellitus?

Wenn wir essen, steigt in unserem Blut die Zuckerkonzentration an. Vor allem ein bestimmter Zucker, die Glukose, dient als Energielieferant  für alle Organe und Gewebe. Damit das Zusammenspiel der Organe reibungslos funktioniert, muss der Blutzuckerspiegel ständig ausgeglichen sein. Dies regelt sich über zwei körpereigene Hormone, die beide in der Bauchspeicheldrüse gebildet werden: Insulin und dessen Gegenspieler Glukagon.

Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen aufgenommen werden kann, und senkt somit die Konzentration des Zuckers im Blut. Glukagon ist dafür verantwortlich, dass der Glukosespiegel wieder ansteigt, sobald der Körper Energie benötigt.

Bei Menschen mit Diabetes ist dieses Zusammenspiel gestört und es können zwei Extreme auftreten: erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie) und zu niedrige Blutzuckerwerte (Hypoglykämie). Ziel jeder Diabetesbehandlung ist es, den Langzeit-Blutzuckerwert in die Nähe des Wertes eines Gesunden zu bringen, d. h. einen normnahen Langzeit-Blutzuckerwert ( HbA1c) zu erreichen.

Erhöhte Blutzuckerwerte (Hyperglykämie)

Der Blutzucker wird anhand der Glukosewerte und der Bestimmung des Langzeit-Blutzuckerwerts (HbA1c) beurteilt. Ist der HbA1c-Wert zu hoch, deutet das also auf einen anhaltend erhöhten Blutzucker hin. Frühe Anzeichen einer Hyperglykämie sind häufiger Harndrang, Durst, eine trockene Zunge, Müdigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Unterzucker (Hypoglykämie)

Von einer Hypoglykämie spricht man bei einem Blutzuckerwert unter 50 mg/dl (2,8 mmol/l). Unterzucker kann entstehen, wenn Mahlzeiten ausgelassen werden oder wenn Essen und blutzuckersenkende Medikamente nicht gut aufeinander abgestimmt sind. Zu den Anzeichen einer Hypoglykämie zählen Frieren, Schweißausbruch, Heißhunger, Unruhe, Zittern, Nervosität, Kopfschmerzen, Herzrasen, Gähnen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Albernheit oder Aggressivität sowie Albträume.

 

Wo fängt der erhöhte Blutzucker an?

Ob der Blutzucker zu hoch oder zu niedrig ist, zeigt die Messung der Glukosewerte. Diese werden in der Regel nüchtern, d. h. vor dem Essen, mit speziellen Messgeräten ermittelt und in den Einheiten mg Glukose/dl Blut (Milligramm pro Deziliter) oder mmol/l (Millimol pro Liter) angegeben.

Der Normalbereich des Blutzucker-Nüchternwerts liegt bei Gesunden zwischen 80 und 100 mg/dl (oder 4,4–5,6 mmol/l). Von einem erhöhten Blutzuckerspiegel spricht man, wenn die Werte über 100 mg/dl (> 5,6 mmol/l) liegen.

Bei Gesunden sollte der HbA1c unter 6,5 % liegen. Als grenzwertig gelten Werte zwischen 6,5 und 7,5 %. Ab 7,5 % weist der HbA1c-Wert darauf hin, dass der Blutzucker in den letzten 6–8 Wochen nicht optimal eingestellt war.

 

Welche Formen von Diabetes mellitus gibt es?

Mediziner unterteilen die Zuckerkrankheit grob in zwei Typen: Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse kein körpereigenes Insulin herstellen können. Deshalb besteht bei Typ-1-Diabetikern ein absoluter Insulinmangel, d. h. diese Patienten benötigen von Anfang an eine Insulinbehandlung.

Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet, da er bisher meist erst nach dem 50. Lebensjahr auftrat. Heute wird der Typ-2-Diabetes auch häufiger bei jüngeren Patienten beobachtet. Als Ursachen hierfür gelten Übergewicht, schlechte Ernährung und fehlende Bewegung sowie genetische Faktoren. Bei Typ-2-Diabetikern ist das körpereigene Insulin nicht ausreichend wirksam. Es liegt eine sogenannte Insulinunempfindlichkeit vor. Typ-2-Diabetiker benötigen zunächst meist kein Insulin. Sie können in der Regel mit Tabletten eingestellt werden. Im Verlauf der Krankheit kann es allerdings geschehen, dass körpereigenes Insulin nur noch unzureichend gebildet und eine Behandlung mit Insulin nötig wird.

Wie wirkt sich Diabetes auf den Körper aus?

Je nach Verlauf können unterschiedliche Folgeerkrankungen auftreten – und zwar unabhängig davon, ob Sie an Typ-1- oder Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Ist der Blutzuckerwert ständig oder lang anhaltend zu hoch, werden hierdurch die Blutgefäße geschädigt und verengt. Durchblutungsstörungen sind die Folge und alle Organe und Gewebe sind nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt, was ihre Leistungsfähigkeit einschränkt.

Die typischen Folgeerkrankungen eines Diabetes werden in zwei Hauptgruppen zusammengefasst, je nachdem, welche Blutgefäße betroffen sind: Schädigungen der kleinen Blutgefäße (mikrovaskuläre Folgen) und Schädigungen der großen Blutgefäße (makrovaskuläre Folgen).

 

 

Diabetes gesunder Lebensstil gegen Folgeerkrankungen

Abb.: Verschiedene Risikofaktoren bzw. Erkrankungen stehen mit Augenveränderungen in Zusammenhang. Hierzu zählen u. a. ungesunder Lebensstil (Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel) und Bluthochdruck, Diabetes mellitus.

 

Folgen der Veränderungen an den großen Blutgefäßen

Zu den makrovaskulären Folgen gehören krankhafte Veränderungen an den großen und größeren Arterien des Körpers, die der Laie als Arterienverkalkung bezeichnet. Die Folgen davon sind koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Schlaganfall und arterielle Verschlusskrankheit in den Beinen.

Folgen der Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen

Zu den mikrovaskulären Folgen gehören Augenschäden ( Retinopathie), Nierenschäden (Nephropathie) und Nervenschäden (Neuropathie). Zu den bekanntesten Gefäßerkrankungen des Auges zählt die Diabetische Retinopathie.

Ein weiterer wichtiger Risikofaktor bei Diabetikern ist die arterielle Hypertonie (Bluthochdruck). Rund 75 % der Diabetiker sind davon betroffen. Bei erhöhtem Blutdruck steigt auch das Risiko, dass sich eine Retinopathie entwickelt. Außerdem kann sich eine bereits bestehende Retinopathie weiter verschlechtern, wenn der Blutdruck anhaltend erhöht ist. Die konsequente Senkung des Blutdrucks trägt entscheidend dazu bei, das Risiko diabetischer Folgeerkrankungen zu vermindern. Aktuell werden von der Deutschen Hochdruckliga e. V. DHL® – Deutsche Hypertonie Gesellschaft für Typ-2-Diabetiker Blutdruckwerte im Bereich 130–139/80–85 mmHg empfohlen.

 

Faustregeln für Diabetiker

Noch bis vor Kurzem gab es für Diabetiker mehr Verbote als Gebote. Dies hat sich mittlerweile geändert. Nun gibt es eher allgemeine Hinweise für einen gesunden Lebensstil:

  • Beim Essen fahren Sie – wie alle anderen auch – mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung richtig.
  • Für Raucher gilt: Verzichten Sie auf das Rauchen!
  • Bewegung ist wichtig. Es muss keine Hochleistung sein, die regelmäßige Bewegung, z. B. bei Spaziergängen mit dem Hund, reicht aus.
Drucken Vorlesen